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Pressemitteilung

03.11.2017

Brandenburger Märchen zur Euthanasie-Geschichte

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Dokumentarische Theaterproduktion

Was wussten die Bewohner der Stadt Brandenburg/Havel ab 1939 von der Euthanasie-Anstalt in ihrem Ort? Hat dieses Wissen Spuren in ihrem Leben hinterlassen? Im Gedenkjahr an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde setzt sich die dokumentarische Theaterproduktion mit den Krankenmorden in Brandenburg aus Sicht der Stadtbewohner auseinander und erzählt von ihrem Umgang mit dieser Vergangenheit. Die Berlin-Premiere findet in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums (BMM) der CharitéUniversitätsmedizin Berlin statt.

1939 wurde die ehemalige Strafanstalt mitten in der Stadt Brandenburg heimlich zu einer „Euthanasie-Anstalt“ umgebaut. Zwischen Januar und Oktober 1940 wurden dort über 9.000 Patienten aus verschiedenen Krankenhäusern der Region vergast und anfänglich auch verbrannt. Die Geschichtensammlerin Daniela Klein ging in einer zweijährigen Recherche der Frage nach, was die Stadtbewohner damals von der Tötungsaktion wussten und was für Spuren dieses Wissen in ihren Leben hinterließ. Sie forschte in Archiven und sprach mit über 150 Zeitzeugen, Nachfahren und Wissenschaftlern, wobei auch neue Aspekte über die Vergangenheit ans Licht kamen. Klein verdichtete das Gehörte zu Märchen, einer Erzählform, die dem grausamen und verschleierten Inhalt sowie dem mündlichen Charakter dieses kollektiven Narrativs am ehesten entspricht.

Der Regisseur Reimund Groß bearbeitete diese Geschichten dramaturgisch und inszenierte sie mit einem Ensemble aus professionellen Schauspielern und Laien. Eine kurze Einführung zum historischen Kontext gibt die Medizinhistorikerin Dr. Astrid Ley. Publikumsgespräche finden jeweils nach den Vorstellungen statt. Die Aufführung dauert rund 90 Minuten.

Die Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums als Aufführungsort verweist auf die Verantwortung der Medizin in der Zeit des Nationalsozialismus. Denn: Teile der deutschen Medizin haben in verbrecherischer Weise die Menschenwürde außer Kraft gesetzt. Auch Ärzte der Charité haben sich in Ausübung ihres Berufes an grausamen Taten beteiligt. Mit dem Projekt Wissenschaft in Verantwortung – GeDenkOrt.Charité, in deren Rahmen die Theateraufführung stattfindet, setzt sich die Charité aktiv mit der eigenen Geschichte und der ihrer Vorgängerinstitutionen auseinander.

Die Brandenburger Märchen werden am 11. November um 20.00 Uhr und 12. November um 17.30 Uhr in der Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité, Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin aufgeführt. Karten können an der Museumskasse des Berliner Medizinhistorischen Museums erworben oder über info(at)hauptkulturdorf.de reserviert werden. Sie kosten 12,00 Euro, ermäßigt 8,00 Euro.

 

 

Brandenburger Märchen
Ein Projekt des Kulturvereins Päwesin e.V. in Kooperation mit der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg a. d. H. Förderer und Kooperationspartner: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Landeshauptstadt Potsdam, Brandenburger Theater, GeDenkOrt.Charité, Spartacus e.V.
Idee, Recherche, Text und Produktionsleitung Daniela Klein, Regie und Dramaturgie Reimund Groß.

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Links

Brandenburger Märchen

Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité

Kontakt

Uwe Dolderer
Leiter der Unternehmenskommunikation und Pressesprecher
CharitéUniversitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400



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